Benjamin Kiu

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Benjamin Kiu ist als einer der Preisträger des heurigen Meisterschulpreises der Ortweinschule, Meisterklasse Malerei, auch der jüngste Teilnehmer an der Künstlerklausur 2006 in Stift Rein. Er nutzte die 3-wöchige Klausur als Gelegenheit, das Atelier zu verlassen, um seine malerischen Studien en plein air durchzuführen. Unter freiem Himmel werden Motivsuche und –auswahl sowie Standort- und Distanzbestimmung gegenüber den einmal gewählten Motiven zu den ersten entscheidenden malerischen Kriterien. Der Blickausschnitt, der im Bild wiedergegeben werden soll, Detailgenauigkeit, Farbintensität, Licht- und Schattenverläufe, perspektivische Raumwirkungen etc. hängen von diesen ersten Entscheidungen wesentlich ab. So verspürt man in den vorliegenden Studien die Versuche des Malers, sich gegenüber den Motiven zu positionieren bzw. das Motiv zu positionieren, d. h. einen vor allem hinsichtlich des Faktors der Distanz geeigneten „Standpunkt“ zu finden. Der malerische Duktus des Farbauftrags Benjamin Kius (im formalen Gegensatz zu einer graphisch-zeichnerischen „Handschrift“) und die damit einhergehende mehr in die Fläche tendierende Farbbehandlung entspricht per se eher der Wahl einer größeren Distanz zwischen Maler und Motiv. Dies zeigt sich etwa in jenen Arbeiten, die auch architektonische Elemente als Bildmotiv integrieren und in denen mehr das Verhältnis der Architekturflächen und –strukturen gegenüber der sie ein- und umfassenden Natur im Vordergrund zu stehen scheint. Hingegen wird in der Konzentration auf nur aus der Natur entnommene Motive ohne architektonisches Beiwerk auch die Distanz reduziert und die malerische Ausführung strukturell vielfältiger.
In der Studie „Wald“ ergeben sich die malerischen Möglichkeiten gleichsam aufgrund der farblichen und strukturellen Differenziertheit des Sujets selbst. Gelblich-grüne Farbpartien gestalten den aufgehellten „Grund“ und gleichzeitig die räumliche Tiefe des Bildes als lichtgebender Waldboden gegenüber den dunklen Stämmen und dem Busch- und Astgeflecht. Konträr zu den in (und mit) Distanz projizierten Arbeiten mit architektonischen Motiven wird der Betrachter hier unmittelbar in das Bild „gezogen“ – als wäre er selbst in diesem Waldstück, d. h. der Betrachter kann sich als integraler Bestandteil des Waldausschnittes empfinden. Natur erscheint nicht mehr als fremdartiges Gegenüber sondern als ein den Menschen einschließendes Phänomen, das nicht nur für eine ästhetische Betrachtung taugt. In der „Wald“-Studie nimmt Benjamin Kiu sein Natur-Motiv auf eine neue Art wahr und kommt diesem auch als Maler nahe.