Bruno Richard

+43(0)316 813548
Nibelungengasse 7
Austria-8010 Graz

Eine in brüchig-transparenten Brauntönen gemalte Erdlandschaft breitet sich im Bild „Ohne Kreuz, ohne Turm“ als stille Kulisse verstreuter Grabsteine und einer nach hinten versetzten Stadtansicht auf der Bildfläche aus. Die geometrisch gefassten Grabsteine und die Geometrie der Häuserarchitektur verweisen auf eine scheinbar gegensätzliche Situation: hier als Symbole „erloschenen“ Lebens, dort Sinnbilder der Aktivität des Lebens selbst. Die Grabsteine verweigern in ihrer kargen Gestaltung auch jede Aussage über eine mögliche Religionszugehörigkeit der Verstorbenen. Bruno Richard zitiert damit die Vision einer religionsfreien Kultur gerade an den Symbolen jenes Phänomens, das für jede Religion von zentraler Bedeutung, wenn nicht der „Urgrund“ aller Religiosität ist – an den Symbolen des Todesbewusstseins und der Todeserfahrung des Menschen. Ob das Wissen des Menschen um seine Sterblichkeit jemals ohne religiöse Konzepte der Bewältigung erträglich sein könnte, bleibt dabei offen. Fragen der Grenze und Grenzüberschreitung werden natürlich auch durch jeden Horizont, der eine Bildfläche teilt, an den Betrachter gestellt. In der Horizontlinie verschmelzen die Begrenzungen des Hier und Jetzt mit der Ahnung einer unerreichbaren Unendlichkeit. Dennoch bleibt jeder Horizont Symbol des Irdischen, jeder Horizont trennt das Unten von einem Oben, das sich der Erreichbarkeit entzieht, auch wenn dem die symbolische Kraft des Baumes in seiner vertikalen Ausrichtung, die Entwicklung und Veränderung annotiert, entgegensteht. Der Maler belässt die durchaus tiefe Symbolik jedoch in einer gewissen Ambivalenz und Unbestimmtheit. Dem entspricht die formale Qualität des „unfertig“ erscheinenden, nicht deckenden Farbauftrages ebenso wie eine bewusst unkorrekte Perspektivität. Die Verweigerung einer perfektionistischen Darstellung der einzelnen Bildmotive wie des Bildes insgesamt soll es davor bewahren, als bloße Illustration eines genau definier- und sagbaren „Sachverhalts“ missverstanden zu werde. Die malerische „Unschärfe“ entspricht der intendierten symbolisch-inhaltlichen Unschärfe. Im Gegensatz dazu wird der erzählerisch-symbolische Gehalt in den Arbeiten „Lebenslauf“ und „Orientierung“ auch in einer gewissen gegenständlichen Bestimmtheit zum Ausdruck gebracht – getragen von einer deckenden, „festen“ Farblichkeit. Die Bilderzählung entfaltet sich wie eine Theaterkulisse vor dem Betrachter und die dargestellten Objekte bilden die Symbolwelt der Narration. So designiert das dominierende Grün im „Lebenslauf“ sowohl ein tiefes Naturbewusstsein wie auch eine „irdische“ Zufriedenheit im Dasein, auch wenn eine Arbeitshose mit umgestülpten Taschen auf ein zwar arbeitsames und vielleicht auch mühsames, aber bescheidenes Auskommen im Leben bezeichnet. Ein Windrad könnte vielleicht als Emblem des Zeitenlaufs, aber auch des Schicksals gelesen werden, eine Leine, Fähnchen und Vögel sind weitere symbolische Bedeutungsträger – schließlich das Motiv einer Jalousie: Die „theatralische“ Vision der Natur und des genügsamen Alltags könnte jederzeit hinter verschlossenen Jalousien verschwinden. Und auch die Arbeit „Orientierung / Prendre le Vent“ muss als symbolischer Code dechiffriert werden – als metaphernreiche Interpretationsreise zwischen Verzweiflung und Hoffnung, zwischen Fügung und Freiheit … jedenfalls aber, man nehme den Wind auf!