Crista Brandstätter

+43(0)664 6352438
http://www.crista-brandstaetter.at/
Klimtweg 3
Austria-8051 Graz

Crista Brandstaetters Video-Arbeiten setzen sich intensiv mit den Aspekten Licht, Bewegung und Farbe auseinander. Sie spürt den Transformationen verschiedenster Lichtquellen durch Bewegungsfaktoren nach und breitet ein Spektrum schwebender Lichteffekte aus. Während die durch Bewegungselemente verfremdeten Lichtquellen faszinierende Figuren „zeichnen“, ist die restliche Bildfläche meist in abstrakte Farbflächen getaucht, die teilweise einen transzendierenden Eindruck vermitteln. Die horizontal oder vertikal verlaufenden Farbstreifen, die den Bildsequenzen eingearbeitet sind, betonen die „Grundfärbung“ der Videofilme. Crista Brandstaetter verwendet die Möglichkeiten des Videos nicht zur bloß abbildlichen, naturalistisch-„ realistischen“ Repräsentation der vorgegebenen Objektwelt sondern erarbeitet neue Sichtbarkeiten, die der menschlichen Wahrnehmung an sich nicht zugänglich sind. Wenn das Video hier dokumentarisch ist (und jede filmische Aufnahme ist grundsätzlich immer auch dokumentarisch), dann nicht im Sinne eines Dokuments der externen Wirklichkeit, sondern vielmehr im Sinne einer Dokumentation der Genese unbekannter Erscheinungsweisen dieser Realität. Die Möglichkeit dieses Prozesses des „Zur-Erscheinung-Bringens“ neuer Erscheinungsweisen ist vor allem in den technischen Bedingungen des Mediums selbst (einschließlich der Möglichkeiten digitaler Nachbehandlung) prädeterminiert. In den Videos Crista Brandstaetters werden diese Möglichkeiten des Mediums bewusst zur Hervorbringung neuer Sichtbarkeitsformen eingesetzt. Dabei tendieren Handlung und Bildsprache konsequenter Weise einer teilweise extremen inhaltlichen und formalen Reduktion zu. Diese Reduktion der inhaltlichen und formalen Aspekte ist einerseits die notwendige Voraussetzung, um diese neuartigen Bild- und Wahrnehmungssequenzen generieren zu können und andererseits ermöglicht es eine intensivere Aufmerksamkeit für qualitative Elemente, die man ansonsten nur allzu leicht übersieht oder die kaum die Wahrnehmungsschwelle überschreiten. In den vorliegenden Videos könnte man die sehr stark „malerische“ Charakteristik durchaus als besonders gelungenen Aspekt der Videosequenzen bezeichnen – als würde Crista Brandstaetter mit der Videokamera und nicht mit einem Pinsel zu malen versuchen. Jede Reduktion, sei es nun jene von gegenständlichen Objekten auf ausgesuchte Details (z. B. ein Auge im bewegten Licht- und Spiegelungsspiel einer Wasserfläche) oder jene einer Zigarette auf ihre glühende Spitze, aber auch jede formale Reduktion, bedeutet den Schritt in die Abstraktion als Voraussetzung neuer Seherlebnisse. Wenn die an und für sich ja unbewegliche Nachtbeleuchtung der Häuser durch die im Gehen gemachten Aufnahmen zu wellenartigen Erscheinungen werden, die dem aufgenommenen Ausgangsobjekt (der statischen Lichtquelle) im Grunde völlig konträr sind, zeigt sich über jeden ästhetischen Reiz hinaus vor allem eines: der relative Charakter unserer Wahrnehmung und die Wandelbarkeit der Erscheinungsweisen der Dinge. Eine zusätzliche Abstraktionsebene erhalten die Videos durch ihren seriellen, fließbandartigen Charakter, der im Endlos-Loop kulminiert. Die akustische Ergänzung der Videos stellt eine korrespondierende Dimension, eine akustische Transkription des Visuellen dar, um die „Sichtbarkeiten“ auch hörbar werden zu lassen.